Kleine Anzahlen bis etwa vier lassen sich ohne Zählen auf einen Blick erfassen, größere bis sechs gelingen vor allem dann, wenn sie geordnet sind: Zwei Punkte bilden eine Linie, drei ein Dreieck, vier ein Quadrat, das Würfelbild der Fünf hat eine Mitte. Wer solche Mengenbilder sicher wiedererkennt und der passenden Zahl zuordnen kann, verfügt über eine wichtige Grundlage für das spätere Rechnen. Gerade Kinder mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung brauchen dafür viele Wiederholungen mit immer gleichem Ablauf – aber mit wechselnden Darstellungen, damit sich das Anordnungsmuster einprägt und nicht ein bestimmtes Bild.
Die Lern-App „Eins oder Zwei?“ greift dazu eine Arbeitsform auf, die von Arbeitsblättern bekannt ist: Mengenkarten werden ausgeschnitten und unter die passende Zahl geklebt. Am Tablet entfallen Schere, Klebstoff und das Kopieren, und die Rückmeldung kommt sofort, ohne dass das Kind auf die Kontrolle warten muss. Das Kind vergleicht immer nur zwei oder drei Zahlen miteinander. Diese Entscheidung „Ist es die eine oder die andere Menge?“ ist überschaubar und lenkt die Aufmerksamkeit auf das Mengenbild. Die Karten zeigen Würfelbilder, Punkte, gezeichnete Gegenstände oder eigene Fotos, geordnet oder ungeordnet; bei jedem Neustart werden sie neu gemischt.
Eine falsche Zuordnung ist nicht möglich: Passt die Karte nicht, gleitet sie zurück an ihren Platz. Passt sie, bleibt sie im Feld liegen, und die App spricht die Zahl aus. So verbinden sich Handlung, Mengenbild, Zahlwort und Ziffer im selben Moment. Die App zählt dabei nie vor und zeigt keine Zählhilfe; die Anzahl bestimmt das Kind selbst.
Eine Grenze ist bewusst gezogen: Die App kann nicht erkennen, ob ein Kind eine Menge simultan erfasst oder innerlich abzählt. Sie wertet deshalb weder Berührungen einzelner Bildteile noch Bearbeitungszeiten aus und fordert nie „Nicht zählen!“. Ob ein Kind auf einen Blick sieht, zeigt sich im Beobachten und im Gespräch, etwa mit der Frage „Woran hast du die Drei erkannt?“. Unterstützend wirken geordnete Darstellungen und die beiden Hilfen der App.
Nach dem Öffnen erscheint ein Startbildschirm für die Lehrkraft. Drei Knöpfe der Schnellwahl füllen die Einstellungen aus: „Leicht“ (Zahlen 1 und 2, vier Karten, geordnet, Würfelbilder und Punkte), „Mittel“ (3 und 4, sechs Karten, geordnet, zusätzlich gezeichnete Bilder und gegebenenfalls Fotos) und „Schwer“ (4 und 5, acht Karten, alle Arten, geordnet und ungeordnet gemischt). Danach lässt sich alles einzeln anpassen: zwei oder drei Zahlen aus 1 bis 6, zum Beispiel 1 und 2, 2 und 4, 1 und 6 oder 2, 3 und 4; die Anzahl der Karten von zwei bis zehn, die sich möglichst gleichmäßig auf die Zahlen verteilen; die Kartenarten Würfelbilder, Punkte, gezeichnete Bilder (Äpfel, Bälle, Blumen, Fische, Blätter, Pilze) und eigene Fotos; sowie die Anordnung geordnet, ungeordnet oder gemischt. Geordnet bedeutet: Punkte liegen in einer Reihe, Bilder und Fotos im Würfelmuster. Ungeordnet sind die Elemente frei verstreut; das gilt ab der Anzahl 3, Würfelbilder bleiben immer Würfelbilder. Die Kartenarten wechseln sich bei jeder Zahl ab, damit die Art einer Karte nicht die Zahl verrät.
Für Fotokarten wählt die Lehrkraft mit „Fotos auswählen“ bis zu zwölf Bilder auf dem Gerät aus. Am besten zeigt ein Foto einen einzelnen Gegenstand auf ruhigem Hintergrund, etwa eine Kastanie; die App setzt ihn so oft auf die Karte, wie die Menge verlangt. Die Fotos werden verkleinert und nur im Arbeitsspeicher des Browserfensters gehalten. Sie werden weder gespeichert noch übertragen und sind nach dem Schließen oder Neuladen wieder weg.
In der Übung liegen links die Mengenkarten, rechts stehen zwei oder drei Felder mit je einer Ziffer. Zwei Wege sind gleichwertig: Das Kind tippt zuerst eine Karte an (sie bekommt einen blauen Rahmen) und dann das Feld mit der passenden Zahl, oder es zieht die Karte mit dem Finger, dem Stift oder der Maus in das Feld und lässt los. Das Tippen kommt Kindern entgegen, denen das Ziehen motorisch schwerfällt. Mit der Tastatur geht es ebenso über Tabulator- und Eingabetaste. Ist die Zuordnung richtig, ordnet die App die Karte im Feld ein und sagt das Zahlwort, zum Beispiel „Zwei“. Ist sie falsch, gleitet die Karte wortlos zurück in den Vorrat. Auf Wunsch sagt die App dann zusätzlich ruhig: „Schau noch einmal genau hin.“ Der Auftrag steht als kurzer Satz oben in der App: „Tippe auf eine Karte und dann auf ihre Zahl. Du kannst die Karte auch ziehen.“ Der Lautsprecher-Knopf oben links liest ihn mit den Zahlen der Runde vor („… dann auf ihre Zahl: auf die Eins oder auf die Zwei. Du kannst die Karte auch ziehen.“). Der rote Pfeil zwischen Vorrat und Feldern holt jederzeit alle Karten zurück und mischt sie neu; ungeordnete Karten werden dabei neu verstreut.
Zwei Hilfen sind voreingestellt und lassen sich abschalten. Wird dieselbe ungeordnete Karte dreimal falsch abgelegt, zeigt die App sie geordnet – mit derselben Art und derselben Anzahl, aus verstreuten Punkten wird also eine Punktreihe. Nach fünf Fehlversuchen hintereinander bleiben nur die Karten der kleinsten noch offenen Zahl sichtbar, sodass das Kind sich zunächst auf eine Zahl konzentrieren kann. Die übrigen Karten kommen zurück, sobald die sichtbaren abgelegt sind, oder sofort über den Knopf „Alle Karten zeigen“ im Vorrat. Punkte, Sterne, Ranglisten oder Zeitdruck gibt es nicht.
Die Runde ist zu Ende, wenn der Vorrat leer ist. Dann bekommen die Felder gemeinsam einen grünen Rahmen, die Karten lassen sich nicht mehr bewegen, und die App sagt: „Das hast du gut gemacht. Wenn du möchtest, spiel noch eine Runde. Dazu tippe auf den roten Pfeil.“ Der Satz steht zusätzlich als Text unter den Feldern.
Zurück zum Startbildschirm führt das kleine Zahnrad oben rechts. Es muss etwa eine Sekunde gedrückt gehalten werden, damit Kinder nicht versehentlich hineingeraten; ein kurzes Antippen zeigt nur einen Hinweis. Dort lassen sich die Einstellungen ändern oder die laufende Runde unverändert fortsetzen. Unter „Auswertung dieser Sitzung“ sieht die Lehrkraft für jede bearbeitete Runde die Zahlen und Karten, ob die Runde beendet wurde, wie viele Karten richtig zugeordnet wurden, welche Fehlversuche es gab (etwa „Karte 4 ins Feld 5“ mit der Kartenart) und welche Hilfen eingesetzt und wie oft vorgelesen wurde; darüber stehen die Anzahl der beendeten und der fehlerfreien Runden. Die Auswertung bleibt nur im Arbeitsspeicher und ist nach dem Neuladen gelöscht; sie lässt sich auch vorher von Hand löschen.
Die App eignet sich für die Einzelarbeit am Tablet im Querformat ebenso wie für die gemeinsame Arbeit an der interaktiven Tafel; im Hochformat stehen der Vorrat oben und die Felder unten. Sie ersetzt das Legen mit echten Gegenständen nicht, sondern ergänzt es. Aufschlussreich ist, mit ähnlichen Zahlen wie 4 und 5 zu üben und das Kind beschreiben zu lassen, woran es die Mengen unterscheidet. Eine Erweiterung über die 6 hinaus ist in dieser Fassung nicht enthalten.
Die Sprachausgabe nutzt ausschließlich eine deutsche Stimme, die auf dem Gerät selbst installiert ist; Online-Stimmen verwendet die App bewusst nicht. Ist keine solche Stimme vorhanden oder die Sprachausgabe abgeschaltet, erscheint das Zahlwort kurz als Text im Feld, und der Lautsprecher-Knopf wird ausgeblendet. Ob eine Stimme gefunden wurde, steht auf dem Startbildschirm; dort kann die Lehrkraft sie auch testen. Auf dem iPad lassen sich deutsche Stimmen unter Einstellungen › Bedienungshilfen › Gesprochene Inhalte › Stimmen laden. Ein stumm geschaltetes Gerät erkennt die App nicht.
Die App läuft vollständig im Browser, kommt ohne Anmeldung aus und arbeitet nach dem Laden auch ohne Internetverbindung. Gespeichert wird nichts, auch keine Einstellungen – nach dem Neuladen gelten wieder die Voreinstellungen (Zahlen 1 und 2, vier Karten, geordnet, Würfelbilder und Punkte).
Anfangsunterricht Klasse 1 und Förderschwerpunkt geistige Entwicklung – Zahlenraum bis 6, zwei oder drei Zahlen im Vergleich, zwei bis zehn Karten.
Mengen simultan erfassen und Zahlen zuordnen, Üben und Wiederholen, Einzelarbeit am Tablet, gemeinsame Arbeit an der interaktiven Tafel; Sprachausgabe, Karten antippen oder ziehen